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40 Jahre in der Jugendarbeit

Gemeindepädagogin Ruth Schlotter verabschiedet

Dekanat Offenbach

Zum 1. Februar geht Ruth Schlotter in den Ruhestand: 40 Jahre ist Schlotter als Gemeindepädagogin am Paul-Gerhardt-Haus tätig, sie hat den Wandel in der evangelischen Jugendarbeit miterlebt. "Die Entwicklung der jungen Menschen zu sehen und zu begleiten, ist das Schöne an meinem Beruf", sagt sie.

Für die Offenbacher gehörte sie zum Paul-Gerhardt-Haus wie die Kickers zum Bieberer Berg: Nach 40 Jahren Tätigkeit als Gemeindepädagogin im Paul-Gerhardt-Haus wird Ruth Schlotter zum 1. Februar in den Ruhestand gehen. Mit einem Festgottesdienst haben die Mirjam-Gemeinde und das Dekanat die 65-Jährige verabschiedet.

„Am 1. September 1977 habe ich meinen Dienst angetreten - als Frankfurterin in Offenbach“, erinnert sich Schlotter und lacht. Über die Jahre sei sie eine Verfechterin Offenbachs geworden. „Es ist eine toll funktionierende Stadt“, sagt sie, „zwar nicht der Himmel auf Erden, aber die Stadt hat eine sehr gute Entwicklung durchgemacht.“

Als Schlotter als Gemeindepädagogin anfing, stand noch gegenüber ihres Arbeitsplatzes das Schwesternhaus des damals städtischen Krankenhauses, heute Sana-Klinikum. „Den Seniorentreff gab es damals auch noch nicht, der ist erst in den 80er-Jahren gebaut worden“, sagt sie.

Für Kinder- und Jugendarbeit wurde sie eingestellt und blieb dieser Arbeit 40 Jahre lang treu. „Das ist eine wirkliche Besonderheit, denn oft wechseln die Pädagogen nach einigen Jahren in andere Arbeitsfelder, aber Ruth Schlotter ist bis ins Rentenalter jung geblieben und hat zuletzt gemeinsam mit Pfarrer Pascalis der evangelischen Jugendarbeit ein Gesicht gegeben“, sagt Dekanin Eva Reiß. „Eigentlich müsste sie ein Urgestein der Jugendarbeit genannt werden, aber Stein passt so gar nicht zu ihr, da sie sich in ihrer Arbeit so freundlich, flexibel und verlässlich zeigt.“

„Ich habe in den 40 Jahren natürlich auch den Wandel in der Jugendarbeit miterlebt“, sagt Schlotter: Als sie anfing, mussten Plakate noch von Hand gemalt werden, statt mit Kopierern wurden mit Spirit-Carbon-Matrizendrucker Handzettel oder Vorlagen vervielfältigt. „In den 80er-Jahren waren dann Videokameras der letzte Schrei: Die Kirche schaffte eigens für die Jugendarbeit Videokameras an“, sagt sie. Damit wurden Freizeiten dokumentiert oder Musikclips gedreht. Später gab es Computerkurse, heute seien Messangerdienste unverzichtbar in der Jugendarbeit.

„Ohne zu sentimental zu sein: Früher waren die Kinder noch nicht so verplant wie heute, es gab gerade nachmittags mehr Zeit zum Spielen“, sagt sie. Neuen Medien gegenüber ist sie aufgeschlossen, möchte aber auch einen bewussten Umgang vermitteln. „Es gibt sehr viele Vorzüge durch neue Medien, auch im pädagogischen Bereich, aber auf den Umgang kommt es an. Es wäre schade, wenn Kinder keine richtige Freizeit mehr haben, weil sie durch die ständige Erreichbarkeit nie mehr ganz bei einer Sache sind.“

Ihre Arbeit verstand sie von Anfang an als übergreifend und integrativ, die ganze Stadt war Einzugsgebiet für ihre Jugendarbeit. „Den Menschen in seiner Umgebung wahrnehmen, ihn unterstützen und begleiten“, so umschreibt Schlotter ihre Aufgabe in der evangelischen Jugendarbeit. Bewegt hat sie viel in den 40 Jahren ihrer Tätigkeit: Jugendfreizeiten ins Leben gerufen, Musikprojekte angestoßen oder zu Kunstworkshops geladen. Dass sie den Nerv der Jugendlichen zu treffen wusste, zeigt allein, dass sich eine Band nach ihr benannte: „Frau Ruth“ tritt oft im Paul-Gerhardt-Haus auf.

„Es gab in all den Jahren so viel Schönes, ich kann gar nicht alles aufzählen:  Etwa unsere Paula-Music-Night, bei der Newcomerbands auftreten oder unser Sommerprojekt, bei dem Jugendliche das Paul-Gerhardt-Haus mit einem Mosaik verschönert haben“, sagt sie. Das größte Geschenk aber sei es für sie, dass sie sehen durfte, wie die Kinder und Jugendlichen sich entwickelt haben und später dann von Teilnehmern der Jugendarbeit zu Teamleitern wurden. „Bei der letzten Herbstfreizeit überraschte mich mein Team dann: Alle Teamleiter der vergangenen Jahre kamen zu Besuch, das war ein schönes Erlebnis“, sagt sie.

Sorge bereitet ihr allerdings eine Entwicklung in Offenbach: Die Anzahl der evangelischen Christen geht zurück und davon ist auch die evangelische Jugendarbeit betroffen. „Leider gibt es so wenig evangelische Christen in der Stadt, dass es keine Gemeindepädagogin mehr geben wird“, sagt sie. Zählte das Dekanat Offenbach zu Schlotters Dienstbeginn 1977 noch über 45000 Mitglieder, waren es 2016 nur noch knapp 19000. „Wir sind momentan dabei, die evangelische Jugendarbeit umzustrukturieren – leider gehören auch Kürzungen dazu, da die Mitgliedszahlen uns keine andere Wahl lassen“, sagt Reiß.

Ihren Ruhestand möchte sie genießen, sagt Schlotter. „Ich werde mehr Zeit für Freunde haben, denn bisher arbeitete ich ja meist dann, wenn andere frei hatten.“ Mehr ins Museum zu gehen und Freundschaften pflegen, habe sie sich vorgenommen. „Wer weiß, vielleicht fange ich auch noch etwas komplett Neues an“, sagt sie und lacht.

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